Anpassung der Stadt an Hitzepereioden
Der Antrag im Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
um auf künftige Hitzeperioden vorbereitet zu sein, beantragen wir, dem Gemeinderat einen umfassenden Hitze- und Klimaanpassungsplan für die Jahre 2026-2030 vorzulegen. Dieser Plan soll konkrete Maßnahmen, Zeitpläne, Zuständigkeiten und eine belastbare Finanzierung enthalten.
Der Fokus liegt aus unserer Sicht auf folgenden fünf Handlungsfeldern:
1. Fortsetzung und Ausweitung der Entsiegelungsplanung
Ulm hat bei der Entsiegelung bereits wichtige Schritte eingeleitet. Um urbane Hitzeinseln im Stadtgebiet zu reduzieren, soll dieses Projekt fortgesetzt und ausgeweitet werden.
Die Verwaltung wird beauftragt, die bestehende Entsiegelungsplanung fortzuschreiben mit besonderem Fokus auf Pflaster- und Betonbeläge z. B. auf dem Kornhausplatz, Hans-und-Sophie- Scholl-Platz sowie dem Hildegard-Knef-Platz am Kongresszentrum, Fußgängerzone, Verkehrsbegleitflächen und öffentlichen Parkplätzen.
Die Planung soll Prioritäten nach klimatischer Wirksamkeit, Umsetzbarkeit und Kosten-Nutzen- Verhältnis setzen und Alternativen zum herkömmlichen Pflaster – beispielsweise wasserdurchlässige Beläge, Rasengitter oder Schotterrasen – aufzeigen.
2. Ausbau von Beschattung, Begrünung und Trinkwasserangeboten
Bäume und Pflanzen im öffentlichen Raum sind ein wirksamer Faktor zur Regulierung von Umgebungstemperaturen. Sie spenden Schatten, verbessern die Luftqualität und kühlen ihre Umgebung, was die Aufenthaltsqualität erheblich steigert.
Die Stadtverwaltung wird beauftragt, ein Begrünungskonzept für den öffentlichen Raum vorzulegen.
Bäume in der Fußgängerzone und den umliegenden Einkaufsstraßen werden mit hitzetoleranten und klimaresilienten Baumarten gepflanzt, wo Baumstandorte fehlen oder unzureichend sind, ggf. mit Pflanztrögen. Städtische Spielplätze ohne ausreichenden Schatten sind vorrangig durch Bäume oder Überdachungen zu beschatten. Das Angebot an Trinkwasserspendern für Mensch und Tier an frequentierten Standorten in der Fußgängerzone, an Spielplätzen und Grünflächen wird ausgebautund in einer Übersichtskarte dargestellt. Städtische Gebäude, insbesondere Schulen, Kitas und Senioreneinrichtungen, erhalten mittelfristig eine Fassadenbegrünung unter Prüfung entsprechender Förderprogramme durch Land und Bund.
3. Klimaangepasste Bauplanung: Verschattung durch Gebäudeform und -grundriss („Kaktusprinzip“)
Die bauliche Verschattung durch die Gebäudeform soll künftig in der Bauleitplanung berücksichtigt werden, um den Energiebedarf für Kühlung von vornherein zu senken. Die Verwaltung wird beauftragt, in Bebauungsplänen und städtebaulichen Wettbewerben verbindliche Vorgaben zur Verschattung, Kompaktheit und Ausrichtung von Baukörpern zu verankern. Zudem werden Sonnenschutzkonzepte auf Basis von Sonnenverlaufsberechnungen standardmäßig in die Genehmigungsverfahren relevanter Gebäudetypen aufgenommen. Diese Kriterien sollen als klare Orientierungshilfe in städtebauliche Verträge und in das Gestaltungshandbuch der Stadt Ulm aufgenommen werden.
Ergänzend zu baulichen Vorgaben sind Konzepte zur passiven Kühlung und zur natürlichen Belüftung verbindlich in die Planung aufzunehmen. Hierzu gehören moderne Strategien zur Eigenlüftung sowie Konzepte zur adiabatischen Kühlung durch gezielte Verdunstung. Dabei sollen bewährte Konzepte aus Regionen mit extremer Hitze, wie sie beispielsweise in Arizona angewandt werden, als technisches Vorbild dienen, um die thermische Last in Gebäuden durch intelligente Architektur, statt durch energieintensive Klimatisierung zu reduzieren.
4. Kühlangebote im öffentlichen Raum
Niedrigschwellige Angebote sollen die Belastung an heißen Tagen senken, was insbesondere Senioren, Kleinkindern und Obdachlosen zugutekommt. Hierzu sind Pilotinstallationen für Sprühnebelsysteme an belebten Plätzen unter Einbindung der lokalen Gastronomie umzusetzen. Es soll eine Karte erstellt werden (digital und analog) aller öffentlichen Gebäude, in denen kühlere Räumlichkeiten für die Öffentlichkeit an Hitzetagen zugänglich sind, mit Angabe der jeweiligen Öffnungszeiten und Zugangsbedingungen. Bei anstehenden städtischen Sanierungen ist zudem der Einsatz PV-betriebener Klimaanlagen für eine wirtschaftliche und emissionsneutrale Kühlung zu prüfen.
5. Wasserspiele und Behebung hitzebedingter Straßenschäden
Zur Abkühlung und Steigerung der Aufenthaltsqualität im Sommer sind zusätzliche Bodenwasserspiele an geeigneten Plätzen, insbesondere in der Innenstadt und an Spielplätzen, zu planen und schrittweise umzusetzen. Gleichzeitig sind kurzfristig Haushaltsmittel bereitzustellen, um hitzebedingte Asphaltschäden im Straßennetz schnell zu beheben.Wir bitten um Vorlage eines Handlungsplans und um einen halbjährlichen Bericht zum aktuellen Umsetzungsstand.
Mit freundlichen Grüßen
Im Namen der gesamten CDU/UfA-Fraktion