Hier kommen Sie zur Rede von Stadtrat Dr. Bertram Holz zum TOP 3 Sportentwicklungsplanung für Ulm aus der Sitzung des Ulmer Gemeinderates vom 17.11.2016.
Ulmer Gemeinderat - Rede im Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,
70 % der Ulmer Bürgerinnen und Bürger im Alter ab 10 Jahren sind regelmäßig sportlich aktiv.
Die Stadt Ulm sieht sich traditionell als Sportstadt, für die der Sport schon immer einen hohen Stellenwert einnimmt und die den Sport in hohem Maße unterstützt und fördert.
Der Gemeinderat hat deshalb im vergangenen Jahr beschlossen, eine kooperative Sportentwicklungsplanung durchzuführen.
Wichtig war dabei im Vorfeld, einen geschärften, objektiven Blick von außen zu bekommen.
Deshalb war es ebenso zu begrüßen wie notwendig, Ulmer Bürgerinnen und Bürger, wie auch die städtischen Kindertageseinrichtungen, Schulen und Ulmer Sportvereine umfassend zu befragen.
Dank gebührt dem IKPS für die professionelle Moderation und den vorliegenden erschöpfenden Abschlussbericht.
Der Bericht beinhaltet eine umfassende Bestands- und Bedarfsanalyse.
Er beinhaltet viel Positives und Geschaffenes, weist aber auch auf bestehende Defizite hin, zeigt Verbesserungsmöglichkeiten auf und gibt entsprechende Handlungsempfehlungen.
Auch die vorliegende Beschlussvorlage der Verwaltung verdient Lob und Anerkennung.
Die Vorlage ist prägnant und fasst das Wesentliche nochmals zusammen und macht konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung des Sports in Ulm, die heute beschlossen werden sollen.
Erfreulich ist zunächst einmal, dass Ulm als sport- und bewegungsfreundliche Stadt insgesamt überdurchschnittlich positiv wahrgenommen wird und im interkommunalen Vergleich gut abschneidet.
Genauso erfreulich ist, dass die Arbeit der Ulmer Sportvereine gut bewertet wird.
Meine Damen und Herren,
aus der Verwaltungsvorlage möchte ich einige Punkte herausgreifen, die mir besonders wichtig erscheinen.
Besonders wichtig sind die sportliche Frühförderung von Kleinkindern sowie die sportliche Förderung von Kindern und Jugendlichen.
Sport und Bewegung sind wesentlich für die motorische Entwicklung, sind allgemein gesundheitsfördernd, vermitteln Freude, Spaß, Selbstbewusstsein. Sie tragen zur Persönlichkeitsbildung bei.
Deshalb braucht es schon in den Kindertagesstätten qualifiziertes Personal.
Das vorgesehene Weiterbildungs- und Qualifizierungsprogramm für Erzieher und Erzieherinnen ist deshalb sehr zu unterstützen.
Begrüßenswert sind auch eine Teilnahmen an Projekten wie:
„Komm mit ins bewegte Boot“.
Im Bereich der Schulen ist das Konzept der bewegten Schule mit einer täglichen Bewegungszeit und einem bewegungsfreundlichen Schulhof weiter auszubauen.
Die Adalbert-Stifter-Schule hat zum Beispiel Bodentrampoline und stabile Fußballtore für ihren Schulhof beantragt. Die CDU-Fraktion unterstützt diesen Wunsch, weil sich Kinder dort ganztags aufhalten.
Darüber hinaus ist zu prüfen, ob alle Schulhöfe auch außerhalb der Schulzeiten für Kinder und Jugendliche geöffnet werden können.
Die vorhandene Infrastruktur könnte so am besten zum Springen, Laufen und Austoben genutzt werden. Das ist wichtig, weil die Kinder im Stadtbereich allgemein zu wenig Bewegungsfreiraum haben.
In diesem Zusammenhang kommt auch den Ulmer Sportvereinen eine besondere Verpflichtung und Verantwortung zu.
Sie sind verstärkt dazu aufgerufen Kooperationen mit Kindergärten und Schulen einzugehen.
Sport richtet sich aber auch an Erwachsene.
Die meisten Bürgerinnen und Bürger betätigen sich sportlich, wollen fit bleiben, ohne aber einem Verein anzugehören.
Auch dafür ist eine entsprechende Sport- und Bewegungsinfrastruktur zur Verfügung zu stellen.
Die Befragung zeigt allerdings, dass insoweit keine gravierenden Mängel bestehen.
Es gibt in Ulm ein gut ausgebautes Wegenetz, auch zahlreiche Radwege und ausreichende Sport- und Bewegungsflächen, die jedoch nicht immer so bekannt sind.
Insoweit müssen die vorhandenen Angebote besser kommuniziert werden, so z.B. auch auf der Homepage der Stadt Ulm. (Flyer, Spiel- und Bolzplatzführer mit Bildern)
Wünschenswert wäre in diesem Zusammenhang auch, die eine oder andere Laufstrecke, z. B. an der Donau, zu beleuchten und Inliner-Rundkurse anzubieten.
In Ulm fehlt es insgesamt an größeren generationenübergreifenden, frei zugänglichen Freizeitflächen in den einzelnen Sozialräumen.
So sollen Eltern und Großeltern mit ihren Kindern bzw. Enkelkinder verstärkt die Möglichkeit haben, im öffentlichen Raum miteinander zu spielen und sich sportlich zu betätigen.
Vorbildhaft finde ich z.B. die Bolz-, Volleyball- und Basketballplätze am oberen Eselsberg.
Ähnliches sollte bei künftigen Quartiersplanungen stärker als bisher berücksichtigt werden.
Nun komme ich zu einem weiteren zentralen Punkt der Vorlage, der Bilanzierung des Sportstättenbedarfs.
Während die Versorgung mit Sportaußenanlagen quantitativ gut ist, hapert es an Hallenplätzen und Räumen sowie an Schwimmbädern.
Zuerst zu den Schwimmbädern: Die vorhandenen Schwimmbäder in Ulm decken den Bedarf der Bevölkerung und des Vereinssport nicht ab.
Schwimmen zu können ist elementar. Neuere Erhebungen belegen, dass Kinder und Jugendliche oft erst spät oder gar nicht mehr richtig schwimmen lernen und es bei Erwachsenen immer mehr Nichtschwimmer gibt.
Nach der Umfrage besteht dringender Handlungsbedarf.
Begrüßenswert ist daher die Bekenntnis zumindest die Lehrschwimmbecken zu erhalten.
Begrüßenswert ist ferner, dass ein weiteres Stadteilbad zumindest angedacht ist.
Das Bäderproblem sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden, sondern möglichst bald in Angriff genommen werden.
Und nun zu den Turn- und Sporthallen. Die Zahl der Turn und Sporthallen reicht für einen vernünftigen Schulsport wie auch für den Vereinssport schon seit langem nicht mehr aus.
Da besteht ebenfalls dringender Handlungsbedarf.
Insbesondere in der Kernstadt fehlt es massiv an Hallenkapazitäten.
Das gilt vor allem auch im Hinblick auf die Neuerungen in der Schullandschaft – Stichwort Ganztagesschule – oder in Bezug auf die beruflichen Schulen, bei denen die Schülerzahlen stark ansteigen.
Besonders mangelhaft ist die Situation im Sozialraum Stadtmitte-Ost.
Es ist nicht tragbar und nicht zumutbar, dass zum Beispiel Schüler und Lehrer der Spitalhof-Schule wie auch der Friedrich-List-Schule zur Sporthalle Nord oder zur Sporthalle in Böfingen fahren müssen.
Leider mangelt es nicht nur an Kapazitäten.
Viele Ulmer Sporthallen im engeren Stadtbereich sind dringend sanierungsbedürftig. Sie sind in die Jahre gekommen und marode und werden zumeist nicht mehr zeitgemäßen Ansprüchen gerecht.
So fehlt es vor allem an Gymnastik-und Kursräumen.
Ich denke, da wurde viel zu lange am falschen Platz gespart – Stichwort: Sanierungsstau.
Meine Damen und Herren,
ich komme nun zu einem weiteren zentralen Punkt der Vorlage, der Vereinsförderung, insbesondere der investiven Sportförderung.
In Ulm gibt es derzeit 72 Sportvereine mit insgesamt fast 40.000 Mitgliedern.
Seit jeher erfüllen unsere Sportvereine wichtige gesellschaftspolitische und soziale Aufgaben von unschätzbarem Wert und sprechen viele gesellschaftliche Gruppen an.
Sie leisten dank vieler ehrenamtlicher Helfer wertvolle soziale Arbeit
ohne auf Gewinn ausgerichtet zu sein.
Vor allem im Bereich der
Jugendarbeit und
Integrationsarbeit leisten unsere Vereine einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag.
Sport im Verein steht allen Kindern und Jugendlichen offen, da gibt es keine finanziellen Hürden.
Unsere Sportvereine geben Kindern und Jugendlichen Halt und Bindung, egal welcher Herkunft sie sind.
Sie vermitteln Werte wie Toleranz, Respekt und Disziplin.
Kinder und Jugendliche lernen im Verein Teamfähigkeit und Sozialkompetenz - und oft auch deutsch sprechen.
Seit Jahren reden wir vom demographischen und gesellschaftlichen Wandel.
Nach Aussage des Württembergischen Landessportbundes werden die Mitglieder der Vereine zunehmend älter, weiblicher und internationaler.
Diesen gesellschaftlichen Veränderungen müssen unsere Sportvereine zwingend Rechnung tragen können. (Vereine stehen im Wettbewerb mit freien Anbietern).
So besteht bei vielen Ulmer Bürgerinnen und Bürgern, ob jünger oder älter, zunehmend der Wunsch nach Fitnesssport, nach Gymnastik, nach Gesundheitssport.
Der Zusammenhalt einzelner Gruppen ist oft intensiv und besteht über viele Jahre.
Sportvereine müssen sich darüber hinaus künftig verstärkt aufgeschlossen zeigen für Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, mit Mehrgenerationenhäusern und Seniorenheimen.
Unsere Sportvereine müssen sich in diesem Sinne neu definieren und neue zeitgemäße Sportangebote schaffen.
Dazu braucht es die baulichen Voraussetzungen, um eine sozialraumorientierte und wohnortnahe Versorgung sicher zu stellen.
Kinder, Jugendliche, Senioren, für sie insbesondere, ist die Nähe der Sportstätte wichtig.
In diesem Kontext steht auch die von der Verwaltung vorgestellte neue investive Sportförderung.
Vorab: Diese
neuen Förderrichtlinien sind zu begrüßen.
Sie unterscheiden verschiedene investive Maßnahmen und stellen dabei auf die jeweilige Ausrichtung, die ein Verein verfolgt, ab.
Sogenannte Großprojekte (Baukosten über 2 Mio.) sollen nach genau festgelegten einheitlichen Grundvoraussetzungen finanziell gefördert werden können – und was entscheidend ist, nicht aus dem eigentlichen Sportfördertopf bedient werden.
Dabei ist zwar generell eine Deckelung des Zuschusses pro Projekt bei 3 Millionen Euro. vorgesehen.
Eine Erhöhung des Zuschusses soll sogar darüber hinaus im Einzelfall bei Projekten mit Alleinstellungsmerkmal und herausragender Bedeutung für die Sportlandschaft oder bei Mitbenutzung durch städtische Einrichtungen möglich sein.
Zu begrüßen ist bei der vorgeschlagenen Neuregelung ebenso die sozialraumorientierte Förderung. Pro Sozialraum soll lediglich
ein Großprojekt gefördert werden.
Erfreulich und ebenso zu begrüßen ist, dass Vereine, die ein Großprojekt anvisieren, im Einzelfall eine angemessene finanzielle Unterstützung für die Projektentwicklungskosten, das heißt für zusätzliches Personal zur Vorbereitung, Durchführung und Begleitung eines Projekts, erhalten können.
Die weiteren Regelungen betreffen die
investive Förderung von größeren Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen (ab 80.000 Euro) sowie sonstige Investitions- und Sanierungszuschüsse und die Bezuschussung von Sport- und Pflegegeräte.
Alles in allem sind die neuen investiven Förderrichtlinien sehr innovativ und teils bahnbrechend. Sie verbessern die investive Sportförderung m. E. erheblich.
Sie kommen zunächst vor allem den Vereinen entgegen, die Großprojekte planen oder anvisieren, ohne aber die anderen Sportvereine zu benachteiligen.
Entscheidend ist aber dabei, dass alle Vereine gleich behandelt werden.
Die vorhandenen Ressourcen müssen gerecht, bedarfsorientiert verteilt werden. Das Motto „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ darf nicht gelten.
Eine weitere Neuerung betrifft die
laufende Sportförderung. Sie ist insofern anders und innovativ, als künftig nach und nach von der bisherigen personenbezogenen Bezuschussung der Trainer – unter Besitzstandswahrung - auf die Bezuschussung der Leistungsstützpunkte übergegangen werden soll.
Jeder Leistungsstützpunkt dabei soll die gleiche Fördersumme erhalten.
Damit ist eine finanzielle Gleichbehandlung der einzelnen Leistungsstützpunkte gewährleistet und die betreffenden Stützpunktvereine erhalten mehr Eigenverantwortung hinsichtlich des Einsatzes und Verwendung der Mittel.
Die Vereine können damit selbst entscheiden, wie und wo die Zuschüsse optimal eingesetzt werden sollen.
Gegen die Neuregelung gibt es aus meiner Sicht keine Bedenken.
Entscheidend ist, dass die bisherigen Fördermittel in Höhe von insgesamt (289.000Euro) 307.000 Euro nicht gekürzt werden und Ulm sich weiterhin ausdrücklich zum Leistungs- und Spitzensport bekennt.
Unsere Ulmer Stützpunkte in Sachen Aerobic, Rudern, Mehrkampf, Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik und Biathlon leisten seit Jahren hervorragende Arbeit.
Unsere Spitzensportler sind Aushängeschilder und gute Werbeträger für Ulm sowie gute Vorbilder und Motivatoren für die Jugend.
Zusammenfassend halte ich fest:
Der Beschlussvorlage ist zuzustimmen.
Sport- und Bewegungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen in Kitas und Schulen sind weiter auszubauen.
Sport- und Bewegungsinfrastruktur mit freiem Zugang ist zu optimieren.
Hallenkapazitäten sind bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen, der Sanierungsstau bei bestehenden Sportstätten muss zeitnah abgebaut werden.
Die neuen Sportförderrichtlinien sind zu beschließen.
Meine Damen und Herren,
Ulm ist eine bekennende Sportstadt. Ulm bewegt sich.
Das soll so bleiben.
Dank gebührt allen, die bei der kooperativen Sportentwicklung aktiv mitgewirkt haben."